Leistungen und Angebote

In unserer Arbeit steht der junge Mensch im Mittelpunkt. Als erfahrenes Praxis-Team bringen wir unterschiedliche Schwerpunkte und Methoden mit. Durch heilpädagogische Haltung und Beziehungsgestaltung schaffen wir einen sicheren Raum, in dem sich jedes Kind öffnen, ausprobieren und entwickeln kann.

Was ist Heilpädagogik?

Heilpädagogik wird auch als Erziehung unter erschwerten Bedingungen bezeichnet. Sie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die pädagogisches, psychologisches und medizinisches Fachwissen verbindet – mit anderen Worten: Erziehung, Bildung und Therapie.

Heilpädagogisches Denken und Handeln basiert auf der Betrachtung des Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist. Ihr liegt ein humanistisches Menschenbild zugrunde, das jeden Menschen in seiner Einzigartigkeit wertschätzt.

Individuelle Befindlichkeiten und Stärken bilden die Grundlage der heilpädagogischen Arbeit. Heilpädagogik ist Individualpädagogik. Auf dem Fundament einer wertschätzenden Beziehungsgestaltung bietet sie Entwicklungshilfe und Hilfe zur Selbsthilfe. Kreative Elemente und das Spiel als Sprache des Kindes eröffnen direkten Zugang zur Seelenwelt junger Menschen und schaffen Entwicklungschancen.

Das bieten wir an

  • Heilpädagogische Diagnostik
  • Heilpädagogische Spieltherapie
  • Heilpädagogische Übungsbehandlung
  • Kreatives Gestalten
  • Psychomotorik
  • Mutismustherapie
  • Heilpädagogik bei FASD
  • Kleingruppen
  • Heilpädagogische Begleitung in der Kita

Heilpädagogische Diagnostik

Am Anfang jeden heilpädagogischen Handelns steht die verantwortungsbewusste und differenzierte Diagnosephase. Wichtig hierbei ist die Zusammenstellung aller Daten aus der Anamnese sowie medizinischen Befunden und Gutachten anderer Fachdisziplinen. Ebenso bedeutsam ist die Wahrnehmung des aktuellen Umfeldes des Kindes und seiner Teilhabemöglichkeiten. Unterstützt wird die heilpädagogische Diagnostik durch teilnehmende und passive Beobachtung der Interaktion des Kindes, Spieldiagnostik und die geschulte Wahrnehmung von körperlichen, sprachlichen, kognitiven und emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten.

Testverfahren werden dem Anlass entsprechend ausgewählt und sind weiterer Bestandteil einer ganzheitlichen Diagnostik. Alles zusammen gibt nach Auswertung und Interpretation die Möglichkeit zur Hypothesenbildung für die Gestaltung einer individuellen, heilpädagogischen Fördermaßnahme. Heilpädagogisches Handeln bezieht auch nach der Diagnosephase immer das gesamte Beziehungsumfeld des Kindes mit ein. Hier steht die enge Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten des Kindes im Vordergrund. Auch die Kommunikation und Kooperation mit pädagogischen Einrichtungen, sowie allen anderen psychosozialen und medizinischen Diensten ist unerlässlich. Dabei werden stets die Prinzipien der Inklusion und gleichberechtigten Teilhabe berücksichtigt.

Heilpädagogische Spieltherapie

Das Spiel, insbesondere das freie Spiel, ist die selbstverständliche Sprache des Kindes, über die es seine Empfindungen und Bedürfnisse ausdrücken kann. Die heilpädagogische Spieltherapie schafft einen geschützten Raum, in dem das Kind Angst machende oder traumatische Erfahrungen durch das Spiel bewältigen kann. Im nondirektiven Spiel schafft die Heilpädagogin einen geschützten, verstehenden und haltenden Rahmen.

Grundlage ist eine warme und freundliche Beziehung, die das Kind in seiner Spielbereitschaft unterstützt und ihm hilft, seinen inneren Prozessen Ausdruck zu geben und positive Veränderungen zuzulassen. Das Kind beteiligt sich aktiv an seinen (Nach-)Reifungsprozessen und entwickelt zunehmend Eigenständigkeit.

Die heilpädagogische Spieltherapie versteht sich als kindzentrierte Methode und basiert auf den Grundannahmen von Carl Rogers zur personzentrierten Theorie – dem Bestreben des Menschen nach Selbstverwirklichung und Selbstaktualisierung.

Die Art und Weise, wie ein Kind die Spielmöglichkeiten nutzt, ist seine ganz eigene Sprache.

Heilpädagogische Übungsbehandlung

Zunächst etwas Theorie: Übung und Behandlung als heilpädagogischer Förderansatz bedeuten einen geplanten pädagogischen Lernprozess nach individuell für das Kind definierten Entwicklungszielen (vgl. Schroer, B./Gröschke, D.). Die HPÜ erfolgt regelmäßig über einen verabredeten Zeitraum und basiert auf der Beziehung zum Kind. Die Heilpädagogin nimmt Kontakt zum Kind auf und sucht nach einem verstehenden Zugang, der es ihr ermöglicht, das Kind in seinem „So-geworden-Sein“ zu akzeptieren und anzunehmen (vgl. v. Oy, C./Sagi, A.). Die einzigartige Persönlichkeit jedes Kindes wird wertgeschätzt. Die Heilpädagogin begegnet dem Kind im Spiel und im dialogischen Prozess. Sie begleitet und ermutigt es in seinem Handeln und reflektiert dieses mit dem Kind. Durch dieses Interesse, die Aufmerksamkeit und Anteilnahme wird so eine Weiterentwicklung der Persönlichkeit des Kindes ermöglicht.

Und wie sieht das genau aus? Die HPÜ berücksichtigt alle Entwicklungsdimensionen eines Kindes und bezieht ihre Förderansätze auf Sprachentwicklung, Wahrnehmung, soziales Interaktionsverhalten, Identitätsentwicklung, Lebensthemen und Biografie, Emotion, Kognition sowie die Fein- und Grobmotorik. Im Anamnesegespräch mit den Sorgeberechtigten wird der Entwicklungsweg des Kindes erfragt. Unter Einbezug der Erkenntnisse von ggf. vorangegangenen therapeutisch-medizinischen Maßnahmen (bspw. Logopädie, Ergo- oder Physiotherapie) und im Sinne einer Förderdiagnostik ergibt sich in den Einzelstunden mit dem Kind ein immer genaueres Bild, das das weitere methodische Vorgehen bestimmt. Die HPÜ ist ein Prozess und schreitet zielgerichtet voran, jedoch nicht ohne sich durch hinzugewonnene Erkenntnisse und erreichte Etappenziele stets neu auszurichten. Es entsteht ein flexibler und individueller (Be-)Handlungsplan.

Kreatives Gestalten

Dem kreativen Gestalten kommt in der Heilpädagogik eine besondere Bedeutung zu. Es geht dabei nicht nur um Basteln oder das Erlernen von Techniken, sondern um einen therapeutischen Prozess mit Elementen der Kunsttherapie. Malen oder Arbeiten mit Ton kann innere Prozesse anstoßen und Gefühlen eine sichtbare Form geben. So werden Unsichtbares greifbar und Emotionen ausdrückbar, auch ohne Worte. Kreativität erlaubt ein freies, wertfreies Tun und unterstützt emotionale Entwicklung sowie Problemlösung.

In der Freien Heilpädagogischen Praxis stehen vielfältige Materialien zur Verfügung – etwa Farben, Pinsel, Papier, Ton oder Verzierungen. Ergänzend werden auch mediale Kunstformen wie Fotografie, Filmclips, kreatives Schreiben und Hörspiele genutzt.

Psychomotorik

Diese bewegungsbasierte Methode verschafft positive Reize und unmittelbare Körpererfahrungen mit sich, der Umwelt und dem Gegenüber. Ganz besonders spricht sie das Lernen, sämtliche Wahrnehmungsbereiche und die Bewegung als untrennbare Einheit an. Psychomotorik geht davon aus, dass ein enger Zusammenhang zwischen psychischen Prozessen und Bewegung besteht. Psychomotorik ist ein pädagogisch-therapeutisches Konzept, das in seinem Ursprung auf die Erkenntnisse des Sportlehrers und Bewegungspädagogen Prof. Dr. Ernst J. Kiphard zurückgeht, der bereits in den 1950er Jahren eine positive Wirkung seiner Bewegungsangebote auf die emotionale Entwicklung bei Kindern feststellte.

Durch Psychomotorik werden Bewegungserlebnisse geschaffen, die diese therapeutische Wirkung unterstützen. Elementar ist hierbei, dass der Mensch dabei selbstständig und freiwillig handelt und nicht etwa Vorgegebenes einübt. In unseren Räumen befinden sich zahlreiche Materialien und Geräte, die dazu einladen, in Bewegung zu kommen, Reize zu erfahren und die ein psychomotorisches Angebot machen. Der hohe Aufforderungscharakter dieser Materialien weckt schnell Interesse. Sie reichen über Bälle, Seile, unterschiedliche Schaukeln, Strickleiter, Sprossenwand, Sprungmatte und Weichboden bis hin zum Rollbrett, Kriechtunnel, Jongliermaterial, der beliebten Bohnenkiste und vieles mehr. Regelmäßig bieten wir unterschiedliche Kleingruppen für Kinder ab 4 Jahren bis ins Grundschulalter (2. Schuljahr) an.

Mutismustherapie

Selektiver Mutismus wird im ICD-11 als Angststörung eingeordnet, die sich dadurch auszeichnet, dass Betroffene in bestimmten sozialen Situationen (wie bspw. der Kita/der Schule) nicht sprechen, obwohl sie in anderen Umgebungen (zu Hause) normal kommunizieren. Die Störung geht über normale Schüchternheit hinaus und beeinträchtigt die schulische oder soziale Funktionsfähigkeit erheblich.

Typischerweise beginnt der selektive Mutismus im frühen Kindesalter und kann ohne Behandlung über Jahre bestehen bleiben. Die Ursachen sind meist multifaktorial und umfassen Angststörungen, genetische Veranlagung und Umweltfaktoren. Eine frühzeitige mutismustherapeutische Behandlung ist entscheidend für eine erfolgreiche Überwindung der Symptome und die Förderung sozialer Teilhabe. In der Freien Heilpädagogischen Praxis kommen das DortMuT- und das KoMuT-Therapiekonzept
zum Einsatz.

Heilpädagogik bei FASD

FASD steht für Fetale Alkoholspektrum-Störungen (Fetal Alcohol Spectrum Disorders) und bezeichnet eine Gruppe von Entwicklungsstörungen, die durch Alkoholgebrauch der Mutter während der Schwangerschaft verursacht werden. Die Störungen können körperliche Fehlbildungen, kognitive Beeinträchtigungen, Verhaltensprobleme und charakteristische Gesichtsmerkmale umfassen. Das Spektrum der FASD umfasst verschiedene Formen: FAS (Vollbild), pFAS (partielle Merkmale) und ARND (primär neurologische Beeinträchtigungen ohne äußere Anzeichen). Die Beeinträchtigungen sind lebenslang und nicht heilbar, können aber durch frühe Förderung und Begleitung gemildert werden.

In der heilpädagogischen Förderung achten wir bei FASD stark darauf, dass keine Überforderungssituationen entstehen, dass Wiederholungen und eine gewisse „Unterförderung“ zu einer besseren Verarbeitung und Speicherung im Langzeitgedächtnis führen. Komorbide Störungen soll durch heilpädagogische Ansätze präventiv entgegengewirkt werden.

Die Zusammenarbeit mit der Familie und die Beratung von Kindertageseinrichtungen und Schulen im Behandlungsverlauf ist obligatorisch. Stigmatisierungen der Familien und Schuldzuweisungen an die Mutter lehnen wir als nicht zielführend ab.

Alkoholgebrauch in der Schwangerschaft geschieht häufig aus Unkenntnis über die bestehende Schwangerschaft, Unwissenheit darüber, dass selbst kleine Mengen bereits schädlich sein können, oder aufgrund falscher Beratung. FASD ist vollständig vermeidbar durch kompletten Alkoholverzicht während der Schwangerschaft. Dieser Verzicht sollte auch durch das Umfeld unterstützt werden. Wir setzen uns außerdem für die Prävention ein und unterstützen die Kampagnen bspw. von FASD Deutschland e.V.

Heilpädagogische Familienhilfe (HPFH)

Dieses Angebot richtet sich hauptsächlich an die öffentlichen Kostenträger der Eingliederungs- und Jugendhilfe und verortet sich rechtlich in den Hilfen zur Erziehung § 27 des SGB VIII in Verbindung mit den §§ 31, 35, 35a, 30 oder 41. Die HPFH stellt eine Erweiterung der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) dar und wendet sich insbesondere an Familien mit erhöhtem Betreuungsbedarf z.B. aufgrund von chronischer Erkrankung, Behinderung oder psychischer Beeinträchtigung. Sie gestaltet sich individuell und flexibel am persönlichen Bedarf des einzelnen Menschen und orientiert sich dabei an den Prinzipien der Inklusion und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe.

Sie sieht sowohl eine aufsuchende Arbeit im häuslichen Umfeld der Familien und Einbeziehung des nahen Sozialraumes als auch Förder-, Therapie- und Lernangebote in den Praxisräumen auch für einzelne Familienmitglieder vor. Die Praxis bietet im Sinne des therapeutischen Milieus (nach F. Redl) einen geschützten Raum, um neue, korrigierende Erfahrungen zu machen und sich in seiner Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

Mitgliedschaften

Logo Berufs- und Fachverband für Heilpädagogik
Logo Fachverband für unterstützte Teilhabe
Logo vds
Logo Mutimus Selbsthilfe Deutschland
Logo Stillleben e.V.